Die Entstehung des Brauens in der Nähe von Göbelki Tepe

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Göbelki Tepe, Teomancimit, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

In der FAZ-Onlineausgabe gibt einen Blog über Bier. Am 10.08.18 gab es im Blogbeitrag Wie feierten die ersten Biertrinker? ein Interview mit Jens Notroff vom Deutschen Archäologischen Institut.

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Jens Notroff stellt dabei den aktuellen Forschungsstand dar (der auch in dem Blogbeitrag „Out for a beer at the dawn of agriculture“ thematisiert wird):

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Kalksteintrog, in dem Oxalate nachgewiesen wurden (Photo: E. Dietrich, DAI)

In Göbelki Tepe kamen noch vor 9.000 v. Chr. regelmäßig im Spätsommer oder Frühherbst 500 – 1000 Jäger (vermutlich nur Männer) aus einem Umkreis von bis zu 200 km zusammen und verspeisten in kurzer Zeit große Mengen Wild (aber nur die guten fleischreichen Teile von Auerochse und Gazelle). Dazu tranken sie höchstwahrscheinlich Bier, gebraut in mindestens 6 Steingefäßen, die aus dem Fels gemeißelt waren. Sie faßten bis zu 160 Liter.

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Kalksteingefäße (Photos: N. Becker, © DAI)

Jens Notroff weist darauf hin, daß durch diesen Ritus der Zwang entstand, in kurzer Zeit eine große Menge gekeimtes Getreide (Malz) bereitzustellen. Womöglich reichte das Sammeln von Grassamen irgendwann nicht mehr und man begann mit Anpflanz- und Zuchtversuchen.

[Das ist also eine etwas andere Hypothese, als die von Josef H. Reichholf. Reichholf vertritt die „Bier führt zu Oktoberfest-These“: Er geht davon aus, daß die Leute in einer Gunstzeit Zeit und Muße hatten, sich dem Rausch zu widmen. Die Lust auf Rausch ist in jedem Menschen angelegt. Aber wenn man ständig um sein Überleben kämpft, dann kommt man nicht dazu. So, wie ein reicher Graf beginnt, seinen Müssiggang als Spleens auszuleben, so haben die Vor-Neolithiker begonnen, mit ausgesäten besonders dicken Grasssamen zu experimentieren, um mehr Bier zu gewinnen. Als Nebenprodukt der Brautätigkeit entstand die Landwirtschaft mit domestizierten Getreiden.

Bei Notroff ist der Auslöser demnach mehr der Drang zum Ritus, zum Gemeinschaftserlebnis. Seine „Oktoberfest führt zu Bier-These“ geht davon aus, daß die Zusammenkunft das Wichtige war. Verstreut lebende Jäger benötigen regelmäßige Zusammenkünfte, um den Genpool zu verbreitern (es ging also auch um Sex, somit müssen zumindest die Töchter der Jäger auch mit nach Göbelki Tepe gekommen sein) und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Am Anfang war also das Oktoberfest. Das begleitende Bier sollte aber trotzdem nicht fehlen und motivierte zu intensiviertem Grassammeln und Aussäen und Selektieren.]

Jedenfalls liegt Göbelki Tepe (heute in der Südtürkei, nicht weit von der syrischen Grenze) in der Zone, in der nachweislich Einkorn und Gerste domestiziert wurde (Emmer gab es dagegen nur ein Stück nördlich davon). Die ältesten bislang nachgewiesenen Kulturgetreide (Einkorn) stammen von Karacadağ (Heun et al. 1997) „nur“ 30 Stunden Fußmarsch von Göbekli Tepe entfernt.

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Verteilung von Göbekli Tepe´s Ikonography und von Wildweizen (Map: T. Götzelt, Copyright DAI)

Er stellt auch eine interessante Hypothese auf: Durch die Gärung würde das Klebereiweis aufgespalten. Falls die Proto-Neolithiker damals noch keine Glutenverträglichkeit entwickelt haben, war Bier die bekömmlichste Art des Getreidekonsums. [Das wird sich sicher bald durch die Genomanalysen der damaligen Bewohner klären lassen.]

[Vielen Dank an das Göbekli Tepe-Projekt des DAI für die Abdruckgenehmigung der Bilder des DAI.]

2 Gedanken zu “Die Entstehung des Brauens in der Nähe von Göbelki Tepe

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