Projekttreffen am 28.09.17

Brigitte, Ernst, Fritz, Lucien, Reinhard, Tom und Uli trafen sich am 28.09.17 um das nächste Experiment zu planen und Informationen auszutauschen.

Nächstes Experiment

Das Experiment wurde verschoben auf

  • Samstag, 28.10.17 um 10:00 Uhr bei Tom zum Brauexperiment (wer kommen will: fragt bei steinzeitbier@baehrig.de nach der genauen Adresse)

Wir werden heiß im Holztrog einmaischen und bei fallender Temperatur verzuckern. Dann schöpfen wir zum Läutern in ein Keg-Faß. Gären wird das Bier im Holztrog. Vor dem Läutern entnehmen wir evtl. Treber für ein weiteres Treberkuchenexperiment. Vor dem Gären entnehmen wir Würze und kochen die weiter mit Hopfen als Bajuwaren-Weiße.

Sumerisches und ägyptisches Bier

Ernst hat seine Interpretation der sumerischen und ägyptischen Bierrezepte nachgebraut und zur Verkostung 3 Flaschen mitgebracht:

  • Klassische bajuwarische (Leichte) mit Hopfen (7,5 % Stammwürze)
  • Sumerisches Luxusbier (7 % Stammwürze)
  • Sumerisches Altagsbier mit Treberkuchen (5 % Stammwürze)

Dazu gibt es noch einen separaten Artikel.

Modernes Bier

Zwei unserer Hobbybrauer brachten eigene Erzeugnisse mit (modern und überhaupt nicht steinzeitlich):

  • Toms IPA (sehr hopfig, dabei aber ein sehr runder Hopfengeschmack. Wir waren mächtig angetan von diesem Bier.)
  • Reinhards IPA-Bock (?) (sehr dunkel und dicht im Geschmack. Der Amarone unter den Bieren. Wir waren beeindruckt.)

Vielen Dank für diese tollen Genüsse! (Tom hat auch noch ein Märzen mitgebracht – dazu sind wir gar nicht mehr gekommen. Es soll aber eh noch reifen.)

Projektausrichtung

Wir haben schon viel erreicht in unserem Projekt. So viel, daß man sich fragen kann: „Was wollen denn noch machen?“. Uli hat ein paar mögliche Richtungen zur Diskussion gestellt:

  • Wir können die noch fehlenden Puzzlesteine eines Steinzeitbieres bearbeiten: mit Wildgetreide brauen, Mälzen , Siebe/Säcke/Matten steinzeitlich herstellen und am Ende einen maximal mesolithischen Sud brauen.
  • Wir können unser Forschungsgebiet handwerklich ausweiten: Leder fettgerben und in einer Kochgrube damit brauen; birkenpechverbappte Werkzeuge herstellen, mit denen wir einen Holztrog herstellen; einen Maischekorb weben und darin brauen etc.
    Auch das Agrarprojekt wäre letztlich so eine handwerkliche Ausweitung.
  • Wir können unser Forschungsgebiet zeitlich ausweiten. Wir haben ja eh schon immer gespitzt bei den Bronzezeitkulturen. Uli juckt mittlerweile auch die Entwicklung des Brauwesens ab dem Mittelalter bei uns.
  • Wir können unser Wissen vorführen bei Veranstaltungen (analog zu so Römergruppen, wie die Dasing-Unterzeller „Pedites Singularis“ oder  http://rapax.de/)

Die Diskussion ergab: Wir konzentrieren uns primär auf die vollständig mesolithische Brauweise. Das reizte die Anwesenden am meisten. Insbesondere:

  • Mälzen
  • Mit Zusatzstoffen brauen (insbesondere Wacholder). Dazu haben wir verabredet:
    • Wir erstellen eine Liste geeigneter Zusatzstoffe
    • Jeder pflanzt nächstes Frühjahr jeweils 2 dieser Würzpflanzen in seinen Garten (bei Uli wuchs dieses Jahr immerhin schon Mädesüß (Fillipendula) – vielleicht blüht sie nächstes Jahr ja auch einmal. Sie ist ja offenbar etwas heikel bei der Anzucht.).
  • Holztrog bauen

Eigentlich möchten wir auch noch Getreide anbauen – aber wir haben da noch keinen Plan wie und wo wir das machen können.

Gerätschaften

Holztrog

Uli berichtet von Holztrögen als Viehtränken und wie die gebaut sind.

Fritz denkt, es könnte Eschenstämme für uns geben. Wir möchten unbedingt einen neuen Trog bauen.

Uli hatte im Internet ein paar Möglichkeiten entdeckt, wie man einen Trog abdichten kann:

  • Ton: Es gibt neolithische Fundstellen von Brautrögen (?), die rechteckige Steinkästen sind. Abgedichtet wurden sie womöglich mit Ton. Jedenfalls hat das im Experiment funktioniert. Das wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Was auf Stein bappt, bappt bestimmt auch auf Holz.
  • Brot: Legal wäre es nicht, da Brot wohl erst neolithisch ist. Aber in der Not frißt der Teufel Fliegen. Ein litauischer Brauer dichtet seine alten Holzfässer mit feuchtem zerknetetem Brot ab.
    Tom hat das ausprobiert und mußte feststellen, daß Brot sehr schnell schimmelt. Entscheidend ist also, daß man das Brot nur kurz vor dem Brauen in die Ritzen stopft – und danach eigentlich wieder rauskratzt.
    Zudem ist der Trog damit gar nicht geworden.

Birkenpech

Uli erwähnt einen Artikel (Birkenpech kaufen) und noch einen Artikel (Birkenpech mesolithisch herstellen), die er in der Facebook-Gruppe geteilt hat. Tom hat noch reichlich Birkenrinde.

Kochen im Korb

Brigitte hat einen Prachtband über indianische Flechtkunst mitgebracht. Dort waren die Wasserkörbe aber gepicht. Das wäre für unseren Zweck (heiße Flüssigkeit darin) wohl nicht so gut.

Sarah Peabody Turnbaugh, William A. Turnbaugh: „Indian Baskets“;
Schiffer Publishing, USA, 1997

Andererseits gab es wohl schon auch ungepichte Graskörbe. Und Brigitte hat einen Leinenlöscheimer mitgebracht, der bei ihrem Experiment viele Stunden lang dicht hielt – solange man den Stoff nicht berührte.

Wassereimer-aus-Leinen_1000
Löscheimer aus Leinen

Das geht in die richtige Richtung. So ein Stoff ist natürlich extrem fein gewoben. Brigitte bliebt dran an dem Thema.

Läuterkorb

Der Läuterkorb ist noch nicht ganz fertig. Vielleicht schafft es Brigitte aber bis zum Experiment. Mal sehen.

Weitere Infos

Kurs im Steinzeitbrauen

Im „Steinzeitdorf Kussow“ bietet Konstantin Bölk einen Kurs im Steinzeitbrauen an. Wer also nächsten Juni im Urlaub eh da oben zwischen Lübeck und Wismar ist, kann sich ja anmelden.

Brucker Blätter

Der „Historische Verein Fürstenfeldbruck“ gibt regelmäßig ein Jahrbuch heraus: Die „Brucker Blätter“.

Die Steinzeitbrauer sind eine Arbeitsgruppe des Vereins und werden darin über ihre Aktivitäten des letzten Jahres berichten. Uli hat einen Entwurf rumgeschickt. Die Anwesenden fanden ihn ok (Rudolf hat vorab eine Korrektur gemeldet).

Ernst und Uli haben außerdem für das Jahrbuch einen Vergleich historischer Brauverfahren im Überblick zusammengestellt für Leser, die vom Brauen wenig Ahnung haben. Auch diesen Entwurf fanden die Anwesenden ok.

Kaltmaischen

Graham hat sich sehr ausführlich mit unserem Experiment zum Kaltmaischen befaßt und äußerte einige grundsätzliche Zweifel am Kaltmaischen: Er befürchtet, daß die Stärke nur im Glas abgesunken war und daher in der Jod-Probe nicht mehr nachweisbar war. Der Alkohol könnte von den 7 % Zuckeranteil im unverzuckerten Malz kommen (Ernst meint hingegen, daß der Zuckeranteil je nach Sorte und Qualität nur 1 – 5 % beträgt.) In jedem Fall wird Uli das Experiment wiederholen und dabei mit Malzmehl arbeiten und vor allem vor der Jodprobenentnahme den Ansatz kräftig verquirlen.
Zusätzlich wird Uli recherchieren, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, den Alkoholgehalt direkt zu messen.

Bier aus Malzkaffee

Wer immer schon mal wissen wollte, warum Großmutter die Packung Lindes Kaffee im Küchenbuffet stehen hat: Eine alte Dame auf einem Mühlvierteler Bauernhof hat Ernst gestanden, daß sie früher Bier aus Malzkaffee gebraut hat.

Hausbrauen in Bayern

Wir haben noch immer keine richtigen Informationen darüber, ob früher in Bayern auch auf Bauernhöfen Bier gebraut wurde (bzw. wann man warum damit aufhörte). Aber wir sammeln derzeit reichlich Literatur und werden das bei Gelegenheit gesammelt veröffentlichen.

Hefeentwicklung

Sehr aufschlußreich ist ein Artikel über die Familiengeschichte der Brauhefen.

Getreide anbauen und Mälzen

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3 Gedanken zu “Projekttreffen am 28.09.17

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